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Marokko – Demokratie zwischen Hoffen und Bangen

Erstellt von: findur
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Innerhalb der islamischen Welt ist Marokko, das Land im Nordwesten Afrikas, etwas Besonderes. Nachdem es 1956 seine Unabhängigkeit erhielt, wurde es zum Königreich. Doch schon der zweite König, Hassan II., strebte seit 1961 eine starke Anlehnung an Europa und insbesondere die ehemalige Kolonialmacht Frankreich an. Grund dafür mag nicht zuletzt die räumliche Nähe zu Europa gewesen sein – tatsächlich kann man von Marokko aus über die Meerenge von Gibraltar hinweg Spanien sehen. So übernahm Marokko auch immer wieder eine Vermittlerrolle in Konflikten zwischen der arabischen Welt und dem Westen. Seit 1992 hat das Land eine Verfassung nach westlichem Vorbild. Es ist heute eine parlamentarische Monarchie, nicht anders als viele Staaten der europäischen Union, etwa Großbritannien, Dänemark oder die Niederlande. Staatschef ist nach wie vor der König (heute Mohammed VI.), seine Macht musste er jedoch weitgehend an das Parlament abgeben. Auch in anderer Hinsicht mutet die politische Entwicklung modern bzw. westlich an: So sind etwa in der Nationalversammlung immerhin 30 Sitze für Frauen reserviert, und man bemüht sich, Menschenrechtsverletzungen der Vergangenheit öffentlich aufzuarbeiten. Letzteres ist sicher auch die Folge des islamistischen Terrors, der auch vor Marokko nicht Halt machte – die Stadt Casablanca wurde 2003 von mehreren fast zeitgleichen Anschlägen erschüttert, bei denen mehr als 40 Menschen ums Leben kamen. Darin deutet sich aber bereits an, dass es ein Fehler wäre, in Marokko eine stabile Demokratie nach westlichen Maßstäben zu sehen. Ungeachtet aller pragmatischen Annäherung an den Westen (Marokko ist inzwischen offiziell ein Verbündeter der USA) ist die Bevölkerung doch einer fast anderthalb Jahrtausende andauernden islamischen Tradition verhaftet. Die Mehrzahl der Einwohner besteht sicher nicht aus glühenden Anhängern des demokratischen Systems, was sich auch in einer nach unserem Verständnis äußerst niedrigen Wahlbeteiligung zeigt. Und auch die Situation hinsichtlich der Menschenrechte ist trotz aller Bemühungen der letzten Jahre alles andere als zufriedenstellend, wie z.B. Journalisten immer wieder berichten. So bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich dieses Land in den nächsten Jahren entwickeln wird.

Autor

Andreas Mettler presse@mettlerweb.de


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